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Das Beet mit Pappe anlegen – ist das eine gute Idee?

Ach, es könnte so schön sein! Ein Beet mit Pappe anlegen und fertig! Man muss nicht mehr umgraben oder Unkraut im Gemüse- oder Blumenbeet jäten. So einfach ist es leider nicht!

Lest, was für schreckliche Dinge ich herausgefunden habe und wie ich es mit Pappkartons im Beet halte. Zuerst stellt sich allerdings die Frage:

Warum ein Beet mit Pappe anlegen?

Warum braucht man überhaupt Kartons im Beet? Samen oder die mühsam vorgezogenen und hochgepäppelten Gemüsepflänzchen oder auch Zierpflanzen und Blumen sollen gute Start- und Wachstumsbedingungen bekommen.

Das geht scheinbar am besten, wenn sie im Garten als Solisten rumstehen, ihren Auftritt wie ein Star-Geiger mit nichts und niemand teilen müssen.

Doch die oft schnellwüchsigen Gräser oder Wildkräuter nehmen gerne den Platz ein, nehmen überhand und machen Gemüse oder Zierpflanzen Luft, Licht und Nährstoffe streitig.

Deshalb wird versucht, das (auch insektenfreundliche) „Unkraut“ zu unterdrücken. Es gibt verschiedene Methoden, wie das gelingen soll, eine ist ausreißen, eine andere das Auslegen von Pappe.

Egal, ob man Pappkartons einsetzt, wenn man ein Beet anlegt oder sie zum Mulchen hernimmt, das Ziel ist immer das gleiche: Im Beet soll nur wachsen, was sich der Mensch so vorstellt. Also kein Gras, keine Vogelmiere, kein Löwenzahn, kein Franzosenkraut oder andere Wildpflanzen.

Beet ohne Pappe anlegen - essbare Wildpflanzen und Kräuter ernten.

Ein Beet mit Pappe anlegen – eine Anleitung

Früher, als ich noch Pappe im Garten benutzt habe, habe ich es so gemacht.

Ein Beet neu anlegen:

  • Pappkartons auf den Boden / das Gras / die Wildkräuter legen,
  • falls vorhanden eine dicke Schicht Rasenmulch und
  • oben eine noch dickere Schicht Erde drauf und
  • dann die Pflanzen einpflanzen.

Bei bereits vorhandenen Zierbeeten geht das so:

  • Pappkarton um die Pflanzen auf das, was da wächst, legen
  • damit es schöner aussieht und zusätzlich Licht wegnimmt, Rasenschnitt als Mulch drauf packen.

Das war meine Methode. Mag sein, dass es andere Leute anders machen.

Blumen und Wildpflanzen im Hochbeet beim Gemüse.

Pappe im Beet: Wie es dazu kam und meine Erfahrungen damit

Wie gesagt, früher habe ich Pappe im Garten verteilt, um „Unkraut“ zu unterdrücken. Sepp Holzer führt in seinem Buch Sepp Holzers Permakultur * das als eine Möglichkeit auf, die ich umgesetzt habe.

Anfangs hat es gut funktioniert. Der Platz blieb erst mal von Gras und Unkraut frei, zumindest bis die Pflanzen angewachsen waren. (Später haben sich Begleitkräuter und essbare Wildpflanzen den Platz wieder zurückerobert. Aber das ist eine andere Geschichte).

Allerdings hielt mich immer irgendetwas davon ab, Pappe im Gemüsebeet auszulegen, sodass sie immer nur zwischen Zierpflanzen und Blumen gelandet ist, um die Pflanzen etwas von der Konkurrenz zu befreien oder dass wir sie überhaupt sehen konnten. Denn das Gras hat die Blumen und Stauden auch schnell überwuchert.

Warum ist Pappe im Beet keine gute Lösung?

Irgendwie hatte ich immer ein komisches Gefühl mit Pappkartons. Deshalb wollte ich es genau wissen und habe recherchiert.

Wir wollen in unserem Garten kein Gift und keine Schadstoffe. Das kann aber unbeabsichtigt genau das Problem sein, wenn man Pappe im Garten verteilt.

Auf den Seiten vom Umweltbundesamt, vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, von der Verbraucherzentrale und anderen ähnlichen Quellen bin ich fündig geworden.

Dort heißt es, dass in Pappe bestimmte Inhaltsstoffe enthalten sein können wie zum Beispiel:

  • Weichmacher
  • Kleber
  • technische Hilfsstoffe in Druckerfarben oder Klebstoffen
  • Biozide gegen tierische Schädlinge
  • Anti-Schimmelmittel
  • Farbstoffe
  • Mineralölbestandteile von Druckerfarben
  • Bisphenol A in Kassenbons
  • Druckfarben können gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten
  • Zusatzstoffe wie Bindemittel

Die Stoffe werden entweder bei der Herstellung direkt zugesetzt oder können über den Recycling-Kreislauf in die Pappe gelangen, wenn zum Beispiel Zeitschriften mit den entsprechenden Druckfarben produziert wurden oder wenn eine bestimmte Art von Kassenbons anstatt in den Restmüll ins Altpapier geworfen wird.

Im Rahmen des Recyclings kann beispielsweise Papier in die Pappe kommen, das mit ökologisch bedenklichen Farben bedruckt worden ist. Dann könnten Schwermetalle im Pappkarton sein.

Außerdem gibt es Stoffe, die zwar in Deutschland nicht mehr verwendet werden, die jedoch über das Recyclingverfahren hier wieder auftauchen und untergearbeitet werden können.

Die Fachleute sagen, dass Pappe fürs Recycling vorgesehen ist, wo Hilfs- und Zusatzstoffe nützlich für die industrielle Herstellung und Wiederverwertung seien. Aber die Verwendung im Garten sei kein „bestimmungsgemäßer Gebrauch“.

Bei sogenannten „kompostierbaren Papieren“ gebe es irgendwelche Grenzwerte. Dadurch sei davon auszugehen, dass solche Papiere kompostiert und von Mikroorganismen verarbeitet werden könnten.

Diese Spezialpapiere sind jedoch nach irgendwelchen Normen hergestellt, zertifiziert und als solche ausgewiesen. Was wirklich in Pappe drin ist, die im Garten landet, wissen nur die Hersteller!

Das hört sich alles nicht gut an. Will ich das wirklich im Garten haben? Und wie ist es, wenn die Pflanzen diese Stoffe aufnehmen? Geben sie diese an nuckelnde und saugende Insekten oder andere Tiere ab?

Was macht das mit den dort lebenden Tieren, Mikroorganismen und dem Boden? Diese Fragen zusammen mit den Rechercheergebnissen sind die Antwort auf die Frage, warum ich mich mit Pappkartons im Garten nicht wohlfühle.

Blumen und Wildkräuter im Beet ohne Pappe.

Zusammenfassung: Ein Beet mit Pappe anlegen – ja oder nein?

Pappkartons sind aus meiner Sicht auf die Welt nicht gut für den Garten, denn sie können Boden, Pflanzen und Gemüse mit Schadstoffen belasten.

Meine Erkenntnisse mit Pappkartons im Gemüsebeet

Pappkartons sind für den Garten nicht geeignet. Im Klartext heißt das, dass Pappe Schadstoffe enthalten kann, die ich weder im Garten noch im Essen haben will.

Ich baue unser Gemüse in unserem zertifizierten Naturgarten doch nicht in Bioqualität an, um es mir dann mit Pappe eventuell zu verunreinigen.

Wenn über die Luft sogenannte „Pflanzenschutzmittel“ dahergeflogen kommen, habe ich keinen Einfluss darauf, aber die „Verunreinigung“ mit Pappkartons kann ich vermeiden! Warum soll ich es dann nicht machen?

Viel Freude in Garten und Natur

Sonja